
Wenn die ersten Sonnenstrahlen den Boden erwärmen und die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, freuen wir uns zunächst über den aufkommenden Frühling. Doch wer taucht zeitnah ebenfalls auf, um die gute Laune zu verderben: Richtig, Zecken.
Aber wie kann der richtige Zeckenschutz Hund und Halter*innen präventiv schützen und eventuellen Gesundheitsrisiken vorbeugen? Zecken und Flöhe sind weit mehr als nur ein saisonales Ärgernis. Dank immer milderer Winter können sie fast das gesamte Jahr über aktiv sein, was für deinen Hund Zeckenschutz unverzichtbar macht. In diesem Ratgeber tauchen wir tief in die Welt der Parasitenabwehr ein, analysieren die Wirksamkeit von Floh- und Zeckenschutz auf natürlicher Basis und klären auf, ob und wie Kokosöl gegen Zecken wirklich funktioniert.
Außerdem ziehen wir Tierärztin Lisa Pinsenschaum zu Rate, die bereits an der Entwicklung der Liebs Treats mitgewirkt hat. In ihrem Praxisalltag hat sie regelmäßig mit Zecken- und Flohbefall bei Kleintieren zu tun und hat daher auch eine Meinung zum natürlichen Zeckenschutz.
Warum ist effektiver Zeckenschutz so wichtig?
Ein guter Hunde-Zeckenschutz ist deshalb so wichtig, weil die kleinen Spinnentiere als Vektoren für gefährliche Krankheitserreger dienen. Während die Zecke Blut saugt, können Bakterien, Viren und Einzeller in die Blutbahn des Hundes gelangen. Zu den bekanntesten Gefahren gehören die Borreliose, die schmerzhafte Gelenkentzündungen verursacht, und die Anaplasmose, die bestimmte weiße Blutkörperchen befällt. Besonders gefürchtet ist die Babesiose, oft als "Hundemalaria" bezeichnet, bei der die Infektion rote Blutkörperchen zerstören und zu einer akuten Anämie führen kann – auch mit fatalen Folgen.
Viele Halter*innen unterschätzen, wie schnell das geliebte Haustier in Kontakt mit den Parasiten kommen kann. Schon ein kurzer Streifzug durch den Stadtpark kann ohne Zeckenschutz zu einem massiven Befall führen. Daher ist es wichtig, nicht erst zu reagieren, wenn die Zecke bereits festgebissen ist, sondern präventiv einen Schutzwall aufzubauen.

Natürliche Zeckenmittel Hund: Sanfte Wege ohne Chemie
Immer mehr Tierhalter*innen suchen nach Alternativen zur aggressiven chemischen Behandlung. Sie wollen mit natürlichem Zeckenmittel Hund zur Zeckensaison Erleichterung verschaffen – ohne herkömmliche Halsbänder oder Spot-ons. Ein besonders beliebtes Hausmittel gegen Zecken bei Hunden ist die Verwendung von Pflanzenextrakten und Ölen. Eine kurze Internetrecherche oder das Scrollen durch den Insta-Feed zeigt, dass sich viele Haustier-Liebhabende mit diesem Thema beschäftigen und dabei immer neue Wege der natürlichen Prävention hervorbringen. Doch sind diese alle verlässlich? Und auch sicher?
Aus der Humanmedizin sind dermal applizierte Repellentien auf der Basis ätherischer Öle sowie anderer stark riechender pflanzlicher Stoffe bereits seit langer Zeit bekannt. Schon die alten Ägypter und Römer verwendeten stark riechende Pflanzenextrakte, um sich vor Anophelesmücken zu schützen.
Quelle: In-vitro-Methoden zum Nachweis einer Repellentwirkung gegen Zecken von Tierärztin Christine Straumer
Bei einem Repellent handelt es sich um einen Wirkstoff, der über seinen Geruch abschreckend auf andere Organismen – meist Insekten – wirkt, ohne diese zu töten. Bei der Auswahl der natürlichen Zeckenmittel steht die Verträglichkeit an erster Stelle. Während ätherische Öle wie Teebaumöl für Hunde oft toxisch sein können, haben sich Substanzen wie Zistrose (Cistus incanus) oder Schwarzkümmelöl in moderaten Mengen bei vielen durchgesetzt.
Dennoch ist zu beachten, dass Hausmittel gegen Zecken bei Hunden oft eine konsequentere Anwendung erfordern als synthetische Mittel. Hier ist es in der Regel nicht mit einmal Sprühen oder Füttern getan. Man muss dran bleiben. Denn diese Mittel wirken meist einzig und allein über den Geruch, was bedeutet, dass der Schutz regelmäßig aufgefrischt werden muss.
Ganz weit oben im Kurs bei vielen: Die Kokosnuss.
Im Interview mit Tierärztin Lisa
Spannende Einblicke in die Veterinärmedizin von Instagram-Tierärztin Lisa Pinsenschaum. Darauf kommt es bei der Hundegesundheit an!
Mehr erfahrenKann wirklich Kokosöl gegen Zecken helfen?
DIE Frage, die in Foren und Hundeparks immer wieder gestellt wird: Hilft Kokosöl gegen Zecken?
Hierzu scheiden sich die Geister. Die einen sagen ja, die anderen widerlegen den Effekt wissenschaftlich. Schauen wir uns also beide Seiten einmal an, damit du dir ein umfassendes Bild machen kannst und auf die nächste Diskussion im Stadtpark bestens vorbereitet bist!
Was dafür spricht
Kokosfett enthält Laurinsäure, das ist erstmal ein Fakt. Dieser Säure wird ein gewisser repellierender Effekt nachgesagt, was also bedeutet, dass sie Insekten (wie Zecken, Mücken, Flöhe) aktiv abschrecken kann. Und zwar über den Geruch. Gewisse Wirkstoffe und Gerüche können Parasiten tatsächlich so sehr irritieren, dass sie sich gar nicht erst festsetzen.
In der Inaugural-Dissertation “In-vitro-Methoden zum Nachweis einer Repellentwirkung gegen Zecken”, vorgelegt von Tierärztin Christine Straumer an der Freien Universität Berlin, wird die Wirkung von repellierenden Stoffen auf Arthropoden (Gliederfüßer, also wirbellose Tiere wie Tausendfüßer, Krebstiere, Spinnentiere usw.) untersucht:
Die Wirkungsweise von Repellentien ist nicht vollständig erforscht und je nach Wirkstoff zum Teil verschieden. Mehrere parallele Wirkungsmechanismen existieren (FAULDE, 2001). Einigkeit besteht jedoch darüber, dass das Repellent auf die Wahrnehmung des Arthropoden Einfluss nimmt.
Da Zecken hochempfindliche Sinnesorgane für chemische Reize haben, wird vermutet, dass sie Wirte meiden, die nach Laurinsäure riechen. Das gilt für Menschen, die sich damit beispielsweise Arme und Beine einreiben, genauso wie für unsere vierbeinigen Freunde.
Einige wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die mittelkettige Fettsäure Laurinsäure einen abschreckenden Effekt auf Zecken haben soll. So konnte auch im Jahr 2008 eine Studie aus der National Library of Medicine in Versuchen nachweisen, dass Laurinsäure Zecken von Testoberflächen fernhalten kann. Und zwar mit einer Verlässlichkeit von immerhin 81 bis 100 Prozent! Diese Abwehrhaltung hielt beim Menschen bis zu sechs Stunden an. Laurinsäure ist laut dieser Studie also tatsächlich ein wirksames natürliches Mittel, um den Kontakt zwischen Mensch und Zecke und damit das Risiko von Krankheitsübertragungen deutlich zu reduzieren. Dieser Schutzeffekt müsste sich demnach auch auf Hunde übertragen lassen. Oder?
Eine weitere Untersuchung der Plattform aus 2018 hat gezeigt, dass eine Mischung aus freien Fettsäuren des Kokosöls (vor allem Capryl-, Caprin- und Laurinsäure) gegen eine Vielzahl von blutsaugenden Insekten wie etwa Mücken, Stechfliegen und Bettwanzen helfen kann, und sogar eine stärkere und länger anhaltende Abwehrwirkung als DEET haben kann. DEET ist das weltweit am häufigsten verwendete und am besten untersuchte Insektenabwehrmittel, das besonders für Tropenreisen empfohlen wird.

Anwendung von Kokosöl gegen Zecken
Wenn du es mit dem Kokosöl gegen Zecken beim Hund unbedingt mal versuchen möchtest, wollen wir dir hier zur Sicherheit noch kurz erklären, worauf es ankommt. PS: Wenn du weiter liest, kommst du allerdings vermutlich von der Idee ab.
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Die Qualität: Verwende ausschließlich natives, kaltgepresstes Bio-Kokosöl. Nur dieses enthält die notwendige Konzentration an Laurinsäure (idealerweise über 50 %).
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Die Menge: Für einen mittelgroßen Hund reicht eine etwa walnussgroße Menge. Verreibe das Öl in deinen warmen Händen, bis es flüssig wird.
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Die Verteilung: Streiche deinem Hund damit über das Fell. Achte besonders auf die "Hotspots", also den Bauch, die Innenseiten der Schenkel, den Hals und die Ohren. Dies sind die Stellen, an denen Zecken bevorzugt zustechen, da die Haut dort dünn und gut durchblutet ist.
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Die Frequenz: In der Hochsaison solltest du deinen Hund vor jedem größeren Spaziergang einreiben. Kokosöl gegen Zecken wirkt mechanisch und durch Verdunstung; daher lässt der Schutz nach einigen Stunden oder nach einem Bad im See deutlich nach.
Was dagegen spricht
Viele der bisher betrachteten Studien beziehen sich zum einen vor allem auf die Wirkung der Zeckenabwehr beim Menschen, und nicht beim Hund, und zum anderen betrachten sie mehr den Schutz vor Insekten wie Mücken als den speziell vor Zecken. Das wirft Zweifel an der Wirksamkeit für Haustiere auf.
In der bereits zuvor zitierten Dissertation zur Tierärztin Christine Straumer zur Repellentwirkung gegen Zecken kommt man deshalb auch zu dem Ergebnis, dass eine verlässliche Wirkung gegen Zecken nicht sicher bestätigt werden kann:
Bei den ätherischen Ölen handelt es sich um heterogene Gemische verschiedener Substanzgruppen (...) Citronellöl, Sandelholzöl, Virginianisches Zedernholzöl, Eucalyptusöl, Lavendelöl und Neemöl kommen zum Einsatz. Die Wirkung gegen Zecken ist jedoch nicht mit der Wirkung gegen Insekten gleichzusetzen. So konnte zum Beispiel die Repellentwirkung, die von Kampher auf Insekten ausgeht, gegen Zecken nicht bestätigt werden.
Doch nicht nur die Wirksamkeit selbst wird in einigen Gegenstudien angezweifelt, sondern auch in Frage gestellt, wie praktisch umsetzbar die Methodik mit dem Kokosöl für Hunde denn nun ist. Der Einsatz des Öls als Parasitenschutz bei Haustieren wird von Expert*innen unter anderem als hohen Stress für das Tier empfunden. Da die Wirkung nur wenige Stunden anhält, müsste das Öl mehrmals täglich aufgetragen werden, was besonders bei Freigängerkatzen und aktiven Hunden kaum umsetzbar ist. Zudem ist die Anwendung schwierig, da das feste Fett für einen effektiven Schutz direkt und flächendeckend auf die Haut – etwa an Achseln oder Leisten – gelangen muss. Bei langhaarigen oder großen Tieren ist eine solche Verteilung kaum möglich, während die in Studien genutzten Methoden (vorheriges Rasieren der Haut) im Alltag natürlich ausscheiden.

Aber es gibt auch noch die negativen Begleiterscheinungen wie die Aufnahme des Öls über die Zunge: Durch das Putzen des Fells gelangen größere Mengen des Kokosöls in den Magen und könnten dort die Verdauung stören. Zudem basiert die Wirkung auf der Überdeckung des Eigengeruchs, was nicht nur das Tier selbst irritieren und zu übermäßigem Lecken führen kann, sondern potenziell auch die Kommunikation mit Artgenossen beeinträchtigen könnte. (Quelle: “Zeckenschutz beim Hund – wirkt Kokosöl gegen Zecken?”, ESCCAP – European Scientific Counsel Companion Animal Parasites Deutschland e. V.,2025)
Auch unsere Tierärztin Lisa Pinsenschaum sieht das Thema Kokosöl gegen Zecken beim Hund kritisch und bezieht sich dabei auf die Quelle des ESCCAP:
Natürlicher Schutz wie Kokos etc. hilft leider nicht wirklich. Auch ESCCAP empfiehlt diese Methode nicht. Knoblauch beispielsweise, wozu leider auch manche Hundebesitzer*innen greifen, ist ja giftig und kommt daher auch nicht in Frage.
Die Verwendung von Knoblauch und Zwiebeln als Repellentien findet man online leider häufiger als Tipp gegen Zecken, und auch Lisa muss in ihrer Praxis leider häufiger von diesem angeblichen Wundermittel hören. Allerdings sind Knoblauch und Zwiebeln beide für Hunde giftig und sollten unter keinen Umständen für die Zeckenabwehr verwendet werden!
Zeckenschutz für Hunde
Kokosöl gegen Zecken? Oder doch lieber das Halsband aus der Praxis? So kannst du präventiv auf die richtigen (Haus)Mittel setzen!
ReinlesenFazit: Individueller Zeckenschutz Hund für ein unbeschwertes Hundeleben
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es nicht den einen, perfekten Weg für jeden Hund gibt. Ein wirksamer Zeckenschutz ist vielmehr eine individuelle Entscheidung, die auf dem Risiko der Umgebung und der Empfindlichkeit des Tieres basiert. Kokosöl gegen Zecken ist eine natürliche, recht risikoarme Methode, die sowohl bei Menschen als auch bei Tieren chemiefrei wirken kann. Besonders die Wirkung gegenüber Zecken und Flöhen ist jedoch wissenschaftlich sehr umstritten.
Hausmittel gegen Zecken bei Hunden sind in der Regel deutlich schwieriger und unzuverlässiger in der Handhabung als erprobte Medizinprodukte. Lasse dich am besten umfassend in deiner tierärztlichen Praxis zu dem Thema beraten, um den passenden Schutz für deinen vierbeinigen Schatz zu finden. Auch Tierärztin Lisa Pinsenschaum, die mit Liebs zusammenarbeitet, empfiehlt, nicht alles zu glauben, was du online zu lesen bekommst. Außerdem rät sie dringend von Knoblauch als mögliche Repellentien ab!
