Magazin Titelbild großes Auge von dunklem Hund

 

Du hast deinem Hund gerade ein leuchtend rotes Spielzeug ins Feld geworfen, aber er hat es auf dem grünen Rasen fast übersehen. Macht er das, weil er gerade unaufmerksam ist, oder liegt es daran, dass seine Welt einfach anders aussieht? 

Können Hunde Farben sehen?

Diese Frage beschäftigt uns Hundeliebenden, seit wir unsere besten Freunde an unserer Seite haben. Denn die Theorie vom Schwarz-Weiß-Sehen hält sich hartnäckig.

Aber moderne Wissenschaft und Verhaltensstudien haben uns gezeigt, dass die Wahrheit viel spannender ist. Die Sehfähigkeit deines Hundes ist anders als deine, aber dadurch nicht automatisch schlechter. Seine Sicht hat sich im Laufe der Evolution nämlich perfekt optimiert für sein Überleben und seinen Alltag. Ihre Hundeaugen sind kleine Meisterwerke, die in einigen Disziplinen brillieren, wo unsere menschlichen Augen versagen und uns in anderen wiederum unterlegen sind. Sie stellen Geschwindigkeit und Lichtempfindlichkeit über bunte Vielfalt – aber dazu später mehr!

Wir nehmen dich mit auf eine spannende Reise in die Welt des Sehens und erklären dir, wie die Augen deines Hundes aufgebaut sind, welche Farben sie tatsächlich erkennen können, wie gut Hunde im Dunkeln sehen können und klären ganz nebenbei noch die Frage: Schlafen Hunde mit offenen Augen? 


Können Hunde Farben sehen?

Um die folgenden Fakten und Zahlen als Nicht-Biolog*innen oder Augenärzt*innen besser einschätzen zu können, schauen wir uns zunächst mal die Augäpfel des Menschen an. So wollen wir einen greifbareren Vergleich schaffen.

Im Springer Medizin Forum macht der Artikel “Farbensehen der Tiere: Von farbenblinden Seehunden und tetrachromatischen Vögeln” von Dr. C. Scholtyßek und Prof. A. Kelber (2017) deutlich, wie stark die Farbwahrnehmung von uns Menschen tatsächlich ist:

Mit unseren 3 verschiedenen Zapfentypen ist es uns möglich, eine enorme Vielfalt an Farben zu unterscheiden. Dabei gehen die Schätzungen von läppischen 2,3 Mio. bis hin zu 10 Mio. Farben.


Hund und Mensch nah beieinander Gesichter große Augen

 

Aber können Hunde Farben sehen und da mithalten? Oder sehen sie tatsächlich keinerlei Farben?

Nein, dein Hund lebt nicht in einem alten Schwarz-Weiß-Film! Das Schlüsselwort hier ist die Dichromasie, eine Sehform, die auf der Netzhaut deines Hundes basiert, genauer gesagt der Retina. Um das besser zu verstehen, müssen wir uns die Lichtsinneszellen genauer ansehen. Du als Mensch bist ein Trichromat, was bedeutet, dass deine Netzhaut drei verschiedene Zapfentypen besitzt, die auf die Grundfarben Rot, Grün und Blau reagieren. Wie beim RGB-Farbsystem von etwa Computerbildschirmen.

Das ermöglicht dir, Millionen von Farbschattierungen zu unterscheiden. Dein Hund hingegen ist ein Dichromat, denn seine runden Kulleraugen besitzen nur zwei Zapfentypen, die primär auf die Bereiche Blau-Violett und Gelb-Grün ansprechen. Daraus resultiert eine deutlich eingeschränktere, aber keineswegs farblose Welt.


Farbspektrum mit Verlauf von Gelb zu Blau


Die Konsequenz dieser dichromatischen Sicht ist, dass Rot, Grün und Orange für Hunde kaum unterscheidbar sind. Stell dir vor, du hast eine Rot-Grün-Schwäche; ähnlich sieht dein Hund Rot und Grün als eine Art trübes Grau, Gelb oder Braun. Während Blau und Violett für ihn klare, leuchtende Farben sind, wird Gelb zwar wahrgenommen, aber die Nuancen zwischen Gelb, Grün und Orange verschwimmen zu einem einzigen Spektrum von Gelb- oder Brauntönen. Wenn du also ein leuchtend rotes Spielzeug auf einer grünen Wiese wirfst, ist es für deinen Hund tatsächlich nur ein gelb-braunes Objekt auf einem anderen gelb-braunen Untergrund. Die Farbe liefert hier keinen entscheidenden Kontrast, weshalb er sich mehr auf die Bewegung und den Geruch verlassen muss. 

Am Ende liegt die Wahrnehmung von Farbe aber nicht allein bei den Augen und deren Aufbau, sondern auch bei der Verarbeitung der durch die Augen wahrgenommenen Signale. Die größte Stärke des primatischen Farbsehens erschließe sich nämlich nicht nur in der Unterscheidungsfähigkeit von Farbnuancen, sondern auch in der Evolution eines großen, agilen und plastischen Gehirns, das es Primaten ermögliche, Farbinformationen auf vielfältige Weise zu nutzen. Spezies mit begrenzterer zentraler Verarbeitungskapazität, so auch Hunden, bleibe dies verwehrt. (Quelle: National Library of Medicine, “Evolution of colour vision in mammals”, 2009)


Die Stärken in Bewegung und bei Nacht

Obwohl Hunde beim Farbensehen einen "Nachteil" in Form eines geringeren Farbspektrums haben, dominieren ihre Hunde-Äuglein in anderen, für ihre Existenz als Jäger und Wächter viel wichtigeren Bereichen. Die evolutionäre Priorität lag eindeutig auf dem Dämmerungssehen und der Bewegungswahrnehmung – Fähigkeiten, die für das Überleben essenziell waren.

Ein entscheidender Unterschied zum menschlichen Auge liegt in der Verteilung der Stäbchen und Zapfen. Hundeaugen besitzen eine viel größere Anzahl an Stäbchen (die für das Lichtempfinden zuständig sind) im Verhältnis zu den Zapfen. Das macht sie zu wahren Meistern der Bewegungswahrnehmung

Wie sehen Hunde? Sie sehen Bewegung! Und zwar viel schneller und schärfer als wir. Sie benötigen eine höhere Flimmerverschmelzungsfrequenz; das bedeutet, dass Lichtsignale schneller verarbeitet werden, bevor das Bild verschmilzt. Das ist der Grund, warum dein Hund eine Fliege im Flug verfolgen kann, während sie für dich nur ein unklarer Schatten ist, und warum er eine winzige Regung am Horizont sofort erkennt. Ein stillstehendes Objekt ist weniger interessant als ein sich bewegendes, hier findet also eine klare Priorisierung statt, die tief in ihrer Natur verwurzelt ist.

 

Fahrradfahrer verschwommen in Bewegung

Rundum alles im Blick

Die seitlichere Positionierung der Hundeaugen weiter außen im Schädel trägt zu einem breiteren Sehvermögen bei, was die räumliche Bandbreite angeht. Ihr Gesichtsfeld erstreckt sich auf etwa 240 Grad, während wir Menschen nur etwa 180 Grad abdecken. Das bedeutet, dein Hund sieht einen größeren Teil der Umgebung, ohne den Kopf drehen zu müssen – ein Vorteil beim Wachen und Jagen (Quelle: ZORA Zurich Open Repository and Archive, Universität Zürich, “Sind Hunde farbenblind?”, 2001). An der Spitze vorne mit dabei sind übrigens Pferde, die beinahe über einen kompletten 360 Grad Rundblick verfügen.

Großes Sichtfeld – schön und gut. Allerdings geht diese Sichtweite zu Lasten der Binokularität: Der Bereich, in dem beide Augen überlappen und dadurch dreidimensionales Sehen (räumliches Sehen) entsteht, ist bei Hunden kleiner als bei uns. Das bedeutet, dass sie Entfernungen nicht ganz so präzise abschätzen können wie der Mensch, was jedoch durch ihre hervorragende Bewegungswahrnehmung und ihre Fähigkeit, über den Winkel der Bewegung zu urteilen, mehr als ausgeglichen wird. Einen zugeworfenen Frisbee präzise aus der Luft fangen? Für die meisten Vierbeiner kein Problem! 
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Wie sieht es mit Schärfe und Details aus?

Hier sind wir Menschen dem Hund wieder leicht überlegen. In der National Library of Medicine findet sich eine spannende wissenschaftliche Abhandlung aus dem Jahr 2017 mit dem Titel “Are dogs red–green colour blind?”, also “Sind Hunde rot-grün farbendblind?", in der es neben der Farbwahrnehmung der Tiere auch um die Sehschärfe geht.

Was die Sehschärfe betrifft, sind Hunde weniger in der Lage als Menschen, alle Details eines Objekts klar wahrzunehmen (vier- bis achtmal schlechter als Menschen). Dies ist auf die unterschiedlichen neuronalen Strukturen der Hundeaugen und insbesondere auf die geringeren Verbindungen der Stäbchen zu den Ganglienzellen sowie auf die kleinere Anzahl von Sehnervfasern zurückzuführen.

Des Weiteren können Hunde Helligkeitsunterschiede ausmachen, aber ihre Fähigkeit ist etwa zweimal schlechter als bei Menschen.

Wie gut sehen Hunde im Dunkeln?

Klare Antwort: Viel besser als du! Das verwundert dich jetzt sicher nicht. Wie Hunde selbst nachts durch den Wald fegen und in den Schatten Bäumen ausweichen können, ist doch immer wieder verblüffend und lässt darauf schließen, dass sie sich auch bei scheinbar völliger Dunkelheit problemlos zurechtfinden können. Im Gegensatz zu uns, die sich auf ihre Taschenlampen verlassen…

Dieses überlegene Dämmerungssehen ist auf zwei besondere Merkmale zurückzuführen, die in den Hundeaugen integriert sind.

  • ERSTENS, wie bereits erläutert, die Überwiegende Stäbchen-Konzentration in der Netzhaut. Diese Stäbchen sind extrem lichtempfindlich und ermöglichen es den Vierbeinern, bereits bei geringstem Restlicht hervorragend zu sehen. Die Evolution hat hier entschieden: Lichtempfindlichkeit ist wichtiger als Farbreichtum. Dies macht Doggos zu idealen Begleitern bei Dämmerungsspaziergängen und zu effektiven Wächtern in der Nacht.

 

  • ZWEITENS, und das ist der entscheidende Faktor für die nächtliche Sicht, ist das Tapetum Lucidum. Dieses Tapetum (lateinisch für "leuchtender Teppich") ist eine spiegelnde, reflektierende Schicht, die sich direkt hinter der Netzhaut deines Hundes befindet. Trifft ein Lichtstrahl auf die Netzhaut und wurde beim ersten Durchgang nicht vollständig von den Sinneszellen (Stäbchen) absorbiert, wirft das Tapetum diesen Lichtstrahl zurück. Dadurch trifft das Licht die Sinneszellen ein zweites Mal, was die Lichtausbeute maximiert. Das ist der Grund, warum die Hunde Augen im Dunkeln zu leuchten scheinen, wenn sie von einer Lichtquelle erfasst werden. Du siehst also die Reflexion dieses Tapetums.

Bei Katze und Hund besteht das Tapetum lucidum aus mehreren Schichten von abgeplatteten Zellen (Tapetum cellulosum) und schimmert gelblich bis blaugrün. Die Farbvarianz kommt durch die regelmäßige Anordnung der Zellen und der intrazellulären Kristalle zustande.

(Quelle: DocCheck Flexikon Veterinärmedizin, "Tapetum lucidum (Veterinärmedizin)")


Ein wolfsähnlicher Hund steht angeleuchtet im dunklen Wald

 

Wie gut sehen Hunde im Dunkeln? Hervorragend! Untersuchungen zeigen, dass sie nur etwa ein Viertel der Lichtmenge benötigen, die wir Menschen brauchen, um Objekte im Dunkeln noch zu erkennen. Ihre Nachtsicht ist damit um ein Vielfaches besser als unsere eigene. Chapeau!


Noch ein Mythos: Schlafen Hunde mit offenen Augen?

Kommen wir zu einer weiteren faszinierenden Frage, die oft beobachtet wird: Schlafen Hunde mit offenen Augen?

Können Hunde mit offenen Augen schlafen und sich gleichzeitig erholen?

Dieses Verhalten mag auf den ersten Blick beunruhigend wirken, ist aber in den meisten Fällen ein völlig normales physiologisches Phänomen und kein Grund zur Sorge. Denn ja, Hunde können das tatsächlich. Du beobachtest dieses Verhalten vor allem in bestimmten Phasen des Schlafzyklus deines Hundes.

Das ist nicht etwa ein Zeichen dafür, dass sich dein Hund unwohl fühlt, sondern ein Indiz für die intensive Hirnaktivität während des Schlafes. Während der REM-Schlafphase (Rapid Eye Movement), in der Hunde genauso wie wir Zweibeiner intensiv träumen, sind die Muskeln des Körpers fast vollständig gelähmt, doch die Augenlider können sich leicht öffnen oder nur halb geschlossen sein. Du siehst dann oft schnelle, zuckende Bewegungen der Augäpfel unter den Lidern, während der Rest des Körpers ruhig liegt oder leicht zuckt. Die leicht geöffneten Augen sind lediglich eine Begleiterscheinung der tiefen Traumwelt deines Liebligs. (Quelle: Praxistipp Fokus online, “Hund schläft mit offenen Augen: Daran kann es liegen”, 2023)

Eine weitere Erklärung für das Schlafen mit offenen Augen liegt im Slow-Wave-Sleep (SWS), also dem Leichtschlaf. Auch hier können die Lider nur halb geschlossen sein. Es wird spekuliert, dass dies ein evolutionäres Überbleibsel ist, bei dem Hunde (und andere Beutetiere) jederzeit einen minimalen visuellen Überblick behalten, um schnell auf eine potenzielle Gefahr reagieren zu können. Es ist eine faszinierende Kombination aus notwendiger Erholung und instinktiver Wachsamkeit. Dabei ist es sehr wichtig, die Augen deines Hundes zu beobachten: Wenn das Auge trocken und glasig erscheint, solltest du eine*n Tierärzt*in konsultieren. Dauerhaft trockene Augen können zu Reizungen und Problemen führen. Im Normalfall versorgt die Tränenflüssigkeit das leicht geöffnete Auge aber auch im Schlaf ausreichend. (Quelle: National Library of Medicine, “Recording of electroencephalograms and electrocardiograms during daytime sleep in trained canines: preparation of the sleeping dogs”, 1997)


Wie sehen Hunde? Die Zusammenfassung

Insgesamt bestätigen unsere Ergebnisse (...), dass das Farbensehen von Hunden von Natur aus dichromatisch ist und dem der menschlichen Rot-Grün-Blindheit ähnelt. 

So fasst es der bereits zuvor zitierte Artikel “Are dogs red–green colour blind?” aus der National Library of Medicine treffend zusammen. Entscheidend sind die Anzahl und Verteilung der sogenannten Stäbchen und Zapfen im Inneren des Auges.

Die Frage Können Hunde Farben sehen? lässt sich also mit einem ja beantworten, allerdings sehen die andere Farbspektren als wir Menschen. Tristes Schwarz-weiß ist es gegensätzlich des hartnäckigen Mythos allerdings nicht. Was den Hunden an Farbvielfalt in der Sicht fehlt, machen sie in puncto Bewegung und Kontrast im Dämmerlicht mit absoluten Höchstleistungen wett.

Die Farbwahrnehmung deines Schatzes zu kennen hilft zum Beispiel bei der Gestaltung des gemeinsamen Spielens und Trainierens. Spielzeug schnell und zuverlässig zu finden gelingt im bei Farben wie Blau, Violett oder sattem Gelb besser als bei Rot auf Grün.


Ein Hund spielt mit einem roten Beißring


Doch keine Sorge, alles aussortieren musst du deshalb nicht! Letztlich verlassen sich Hunde beim Training ohnehin primär auf Körpersprache, Geruch und deine Stimme, nicht auf Farbunterschiede. Deine klaren Handzeichen, die Konsistenz deiner Kommandos und dein emotionaler Zustand sind viel wichtigere Signale als die Farbe deiner Winterjacke oder Trainingsspielzeugs.

... Und deinem Hund schöne Augen machen kannst du sowieso nach wie vor am besten mit den köstlichen Treats von Liebs! 💚😏

Leonie Schnieders